take care - Newsletter für Prävention und Gesundheit im Betrieb der Swiss Life (Herbst 2008)
Aktiv werden senkt Absenzkosten
Heute erheben und analysieren Unternehmen eine Unmenge an Kennzahlen. Es gibt keinen Grund, nicht auch die Fehlzeiten genau unter die Lupe zu nehmen. Muriel Ruthishauser, mrrc. Pragmatisch betrachtet, lassen sich die Absenzen um jährlich gegen zehn Porzent senken. Ivo Nater, active care
Fehlzeiten kosten die Schweizer Wirtschaft jedes Jahr Milliarden von Franken. Im Schnitt fehlt jeder Arbeitnehmende 8 Tage bei der Arbeit. Jede Absenz kommt den Arbeitgeber zwischen 500 und 1000 Franken zu stehen, allein die direkten Kosten machen 5 Prozent der Lohnsumme aus. Experten sind sich einig: Mit systematischem Absenzmanagement liesse sich dies ändern.
Die Regel lautet: Je länger Mitarbeitende abwesend sind, desto steiler steigen die Ausfallkosten. Zwar fehlen nur zehn Prozent der Mitarbeitenden länger als 30 Tage. Sie verursachen hingegen über 80 Prozent der Kosten. Das sind Kosten, die durch Lohnfortzahlung und Produktivitätseinbussen und auch indirekt in Form von höheren Versicherungsprämien bei Krankentaggeld und beruflicher Vorsorge die Kasse des Arbeitgebers und die Arbeitnehmerbeiträge belasten.
Systematisches Absenzmanagement bedeutet nicht automatisch viel Aufwand. Es geht um den proaktiven Kontakt zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitenden zur richtigen Zeit, um Früherkennung und die Einleitung entsprechenden Massnahmen.
Grosses Sparpotenzial. Noch vor zehn Jahren hat sich die Anzahl der Arbeitsunfähigkeiten nicht sofort in den Prämien niedergeschlagen. Heute aber ist das Verursacherprinzip auf dem Vormarsch, benennt Ivo Nater die Veränderungen. Seine Firma active care hat ein webbasiertes, aktives Absenzmanagementsystem entwickelt, welches Unternehmen systematisiert und auf einfache Weise bei Gesundheitsförderung und Absenzmanagement unterstützt. Das Einsparpotenzial liegt erfahrungsgemäss bei einem Prozent der Lohnsumme. Die Absenzen sinken um durchschnittlich 10 Prozent, sagt er. Bei einem KMU mit 80 Angestellten, einer Lohnsumme von 5,6 Millionen Franken und einer Absenzrate von 4,2 Prozent beträgt das Sparpotenzial rund 70 500 Franken. Fehlzeiten messen reicht dafür nicht aus. Absenzmanagement beinhalteteine aktive Bewirtschaftung der Personaldaten, einen Auswertungsprozess und aktives Zugehen auf die Mitarbeitenden.
Bei den Ursachen ansetzen. Muriel Rutishauser von mrrc Muriel R. Rutishauser Consulting» berät Firmen im betrieblichen Gesundheits- und Prozessmanagement. Der Auslöser für Absenzmanagement ist meist das Sparpotenzial bei den Versicherungsprämien, bestätigt sie. In vielen Fällen sind Unternehmen nicht ausreichend dokumentiert, und es fehlt an einer systematischen Analyse des Datenmaterials. Erst durch diese Analyse können Massnahmen eingeleitet werden, die bei den Ursachen ansetzen. Die Analyse kann Unerwartetes zutage fördern. Etwa Fehlzeiten, die durch das Verhalten einer bestimmten Führungsperson verursacht sind. Wechselt diese die Abteilung, wandern die Fehlzeiten mit. Hier müssen dringend Gespräche geführt werden. Die Problemerkennung führt dazu, unternehmensspezifische Ziele und Massnahmen ableiten zu können.
Es besteht Handlungsspielraum. Viele Faktoren beeinflussen die Absenzen. Einige wie die Konjunktur sind nicht beeinflussbar, andere wie Unternehmenskultur wiederum schon. Hier kann der Hebel angesetzt werden. Gemäss Bundesamt für Gesundheit sind 80 Prozent der IV-Renten auf Erkrankungen zurückzuführen, die während des Erwerbslebens verursacht werden. Und eine gesamteuropäische Studie belegt, dass sich 31 Prozent der Arbeitnehmenden in der Schweiz durch ihre Arbeit gesundheitlich beeinträchtigt fühlen. Bei vielen krankheitsbedingten Abwesenheiten kann, wenn sie frühzeitig erkannt und thematisiert werden, eine entsprechende Massnahme viel bewirken, weiss Muriel Rutishauser. Arbeitgeber sollten im Sinne der 5. IV-Revision handeln und Arbeitsunfähigkeiten ab 30 Tagen nach Rücksprache mit der betroffenen Person der IV-Stelle melden. Und Krankentaggeldversicherer bieten Unterstützung im Case Management, wenn keine eigenen Ressourcen vorhanden sind.
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Viele gute Lösungen. Bereits mit Standardsoftware lassen sich Fehlzeiten relativ einfach erheben. Bei einem Betrieb mit komplexem Zeitmodell oder vielen Standorten kann ein informatikgestütztes System von Vorteil sein. Unsere Lösung ist internetbasiert und kann in Modulen nach Bedarf bezogen werden, sagt Ivo Nater. Hier ist die Kontinuität eines aktiven Absenzmanagements vom System her mittels hinterlegten Prozessen sichergestellt. Das Hauptproblem beim Absenzmanagement ist, die Datenerhebung und -analyse systematisch aufrecht zu erhalten. Das braucht eine gewisse Kontrolle und die ist Chefsache, sagt Muriel Rutishauser. Diese Kontrolle dient auch den Mitarbeitenden. Weniger Absenzen bedeuten weniger Belastung der Anwesenden. Eine Senkung der Absenzen verbessert den Schutz der Firma und den jedes einzelnen.
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Unternehmen müssen heute erkennen, dass Absenzmanagement nur dann Sinn macht, wenn es aktiv bewirtschaftet wird. Passivität im Umgang mit Fehlzeiten ist nicht mehr zeitgemäss.
Ivo Nater, active care, http://www.activecare.ch//
Unausweichlich wird betriebliche Gesundheitsförderung in einigen Jahren werden, da das Durchschnittsalter in jedem Betrieb ansteigt. Wer heute schon das Wohl seiner Mitarbeitenden ins Zentrum stellt, kann hohe Folgekosten vermeiden, ist Ivo Nater überzeugt. Ich plädiere für eine Erweiterung des klassischen Absenzmanagements. Das Know how der anwesenden Mitarbeitenden bezüglich dem Umgang mit den aktuellen Arbeitsbelastungen sollte heute vermehrt genutzt werden. Unternehmen können davon nur profitieren, sagt Muriel Rutishauser. Welche Lösung Unternehmen auch wählen, um mehr über ihre Absenzrate zu erfahren und den Weg der betrieblichen Gesundheitsförderung einzuschlagen, die positive Wirkung wird garantiert nicht ausbleiben.
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